Torsten Mertz: Das Seitan-Kochbuch – Gemüse ist mein Fleisch 2

Derzeit wird ein Kochbuch nach dem anderen veröffentlicht. Darum ist es bei vegan-sein.de nun auch mal wieder an der Zeit, ein Buch vorzustellen. Das Seitan-Kochbuch von Torsten Mertz verspricht  deftige Gerichte aus Weizeneiweiß. Brauchen wir das?

Alle Rezepte im Seitan-Kochbuch aus dem Münchner Verlag Parkstraße sind veganisierte bzw. vegetarisierte Formen von Klassikern der Hausmannskost. Hier liegt leider gleich ein Kritikpunkt, denn obwohl die veganen Gerichte markiert und alle Gerichte grundsätzlich auch vegan möglich sind, stehen tierische Produkte in einigen der insgesamt 50 Rezepte, was nicht nötig wäre. Ich kann verstehen, dass sowohl Verlag, als auch Autor den Kundenkreis durch die vegan-vegetarische Ausrichtung erweitern wollen, aber ich denke Vegetarier hätten grundsätzlich auch kein Problem damit, Sojasahne zu benutzen und – wenn es unbedingt sein muss – anstelle des Ei-Ersatzes ein richtiges Ei zu verwenden. Viele Menschen sind offener, als man vermutet.

Das Gute am Seitan-Kochbuch

Und dennoch: Der Ansatz des Büchleins gefällt mir sehr. Torsten Mertz möchte pflanzlich lebenden Menschen mit den Rezepten einen koch-kreativen Anstoß geben und natürlich Seitan noch bekannter machen, wobei man diese Missionsarbeit wahrscheinlich eher weniger bei Vegetarier und Veganern ableisten muss, als viel eher bei fleischessenden Freunden und Familienmitgliedern.

Und das sollte mit den Rezepten zu schaffen sein, denn Gerichte wie „Rheinischer Seitan-Sauerbraten“, „Seitan-Ente à l’Orange“ oder „Seitan-Döner“ treffen Liebhaber der deftigen Küche wahrscheinlich schon beim Lesen direkt im Hunger-Zentrum, egal ob nun omnivor oder vegan lebend.

Toll ist zudem die Einteilung der Rezepte in geografische Geschmacksregionen und Anlässe: Seitan europäisch und exotisch (tolle Rezepte!) gilt es ebenso nachzukochen, wie festliche Seitanrezepte (auch sehr empfehlenswert!) und Fingerfood sowie Grillspezialitäten. Letztere wurde ja im ersten Teil der Seitan-Kochbuchreihe „Gemüse ist mein Fleisch – vegetarisch grillen“ schon vorgestellt. Da ich diesen Erstling nicht kenne kann ich nicht sagen, ob die Rezepte eher Remakes sind oder ganz neu erdacht.

Ein Pluspunkt ist der geringe Preis, für den man aber auf Fotos der Gerichte verzichten muss. Einige Gerichte findet man jedoch im Blog zum Motto „Gemüse ist mein Fleisch“.

Kritikpunkte

Soviel zu den Pluspunkten des Buches, es gibt aber leider auch etwas zu meckern. Der wichtigste Punkt zuerst: Gleich in einem der ersten Rezepte habe ich ein Produkt entdeckt, das ich nicht in meiner Küche sehen will: Bratensauce aus der Tüte. So etwas darf meiner Meinung nach einfach nicht in den Kochtopf, das geht gegen meine Koch-Ehre und das geht vor allen Dingen auch super einfach ohne Chemie, wie meine vegane Bratensauce zeigt. Meine Angst, dass mich nun auf den nächsten Seiten Kunstzitrone, weitere Fix-und Fertig-Saucen oder Gewürzgranulate erwarten, hat sich glücklicherweise nicht bestätigt.

Es fehlt ein Grundrezept, um Seitan zu Hause aus Mehl selbst herzustellen. Der Autor verweist auf kaufbare Produkte, da er hausgemachten Seitan als zu großporig empfindet. Der gekaufte Seitan aus dem Bioladen ist aber leider sehr teuer. Eine Alternative wäre fertiges Glutenpulver, aber auch das wird in keinem Rezept erwähnt. Stattdessen versteht sich das Buch eher als Grundkochbuch, das sehr viele fertige Produkte enthält. Teilweise wird auch auf gute Produkte (z.B. die Alnatura Würstchen) hingewiesen was zwar hilfreich ist, aber für einen höheren Anspruch an eine Hausmannskost eher hinderlich.

Wer sich beispielsweise seine Seitanwürstchen für Linsen- oder Kartoffelsuppe selbst herstellen möchte, sollte „Vegan lecker lecker“ zur Hand nehmen. Aber natürlich hat man dazu nicht jeden Tag Zeit und Lust, von daher ist das nur ein kleiner Kritikpunkt. Man muss einfach wissen, dass man kein veganes Kochbuch für die feine, gehobene Küche kauft, sondern eben eines, das der deftigen und zumeist pragmatischen, schnellen Küche verpflichtet ist. Dieses Konzept ist dafür stringent und mit einem Rezept pro Seite übersichtlich verwirklicht.

Fazit: Gutes Preis-Leistungsverhältnis

Insgesamt ist „Das Seitan-Kochbuch“ eine bodenständige und durchdachte Rezeptsammlung. Wer sich über das Anfänger-Niveau hinaus mit dem Kochen beschäftigt, wird hier und da enttäuscht, wer sich jedoch zum ersten Mal mit Seitan in der Küche beschäftigt oder eher seltener und handwerklich weniger sicher kocht, für den ist Torsten Mertz’ Buch ein Muss.

Das Seitan-Kochbuch: Gemüse ist mein Fleisch von Torsten Mertz

Verlag Parkstraße (August 2011) 

7,80 € 

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