Biovegan gärtnern: Meine Erfahrungen nach 5 Wochen

Biovegan gärtnern: Meine Erfahrungen nach 5 Wochen

In meinem letzten Beitrag habe ich es ja schon erwähnt: Ich versuche mich gerade im Gärtnern und möchte bald bioveganes Gemüse aus eigenem Anbau ernten. Zur kompletten bioveganen Selbstversorgung reicht die Fläche, die ich angelegt habe, noch nicht, aber es ist ein Anfang. Ich finde es wahnsinnig spannend Obst- und Gemüse durch die Reifezeit hindurch zu „begleiten“ und die Köchin in mir will ich einfach noch genauer wissen, wo die Zutaten herkommen, wie sie gedüngt wurden und vor allem, wie lang der Transportweg war.

Biovegan anzubauen bedeutet, auf organische Dünger aus und von Tieren zu verzichten. Dazu gehört in der kommerziellen bioveganen Landwirtschaft, keine Düngemittel aus Exkrementen und Schlachtabfällen von Tieren zu verwenden. Darüber hinaus vermeiden biovegane Landwirte auch die Nutztierhaltung und/oder möglichst auch Kooperationen mit Nutztierbetrieben. Wenn wir das  mal realistisch betrachten ist bioveganes Obst und Gemüse also auch im Bioladen eine Rarität. Es gibt aber dennoch Bauern, die diesen Weg gehen. Eine Liste findet ihr z.B. beim VEBU.

Nun düngen die wenigstens Hobbygärtner mit Jauche und Blut, aber Pferdemist kommt zum Beispiel oft zum Einsatz. Noch öfter verstecken sich Tierbestandteile allerdings in gekauften Fertigdüngern und zwar auch in biologisch erzeugten. Mir war das vor meinem Gartenexperiment gar nicht klar. Beliebt als „Zutaten“ sind Schlachtabfälle in Form von Hornspan, Blut- und Knochenmehl. Da ich beim Essen und in meinem Alltag auf tierische Inhaltsstoffe verzichte, möchte ich natürlich mein Gemüse nicht mit solchen Mitteln düngen. Es muss auch anders gehen!

Biovegane Dünger ohne Schlachtabfälle

Allerdings ist es gar nicht so leicht, bioveganen Dünger ohne Schlachtabfälle zu finden, besonders wenn auch der Rasen ebenfalls nur veganes, chemiefreies „Futter“ bekommen soll. Schließlich laufen hier auch die Nachbarskatzen nebst unseren eigenen über den Rasen und denen möchte ich Chemie am Pfötchen auf keinen Fall zumuten. Mir selbst übrigens auch nicht ;) Ich habe nach einiger Recherche zwei tierfreie Düngemittel gefunden und teste die gerade. Zum einen ist das ein Dünger der Firma „Maltaflor“, der aus Gerste, Malzkeimen und Zuckerrüben besteht.

Diese Firma hat wohl laut Webseite auch einen Rasendünger, aber der war nicht zu bestellen, als ich es versucht habe. Darum habe ich für den Rasen den Dünger von „up – Umweltpioniere“ aus Österreich gekauft, den man nach Aussage der Firma sogar essen kann.  Beide Dünger haben eines gemeinsam: Sie fördern die Bodenqualität und das Wachstum von Mikroorganismen im Boden und geben ihre Nährstoffe langsam ab. Weil mein Rasen auch noch ein bisschen Luft brauchte, habe ich ihn vor dem Düngen noch vertikutiert. Das bedeutet, dass das gesamte Moos entfernt wird. Da mein Rasen zu ca. 50% aus Moos bestand, ist da einiges zusammengekommen und im Moment sieht er nach dieser Aktion auch ein bisschen trostlos aus.

Mit „Schädlingen“ umgehen

Ein weiterer Aspekt, der mir wichtig ist: Umsicht mit den anderen Gartenbewohnern. Hobbygärtner neigen manchmal dazu, alle sog. „Schädlinge“ wie z.B. Schnecken, Blattläuse und Ameisen sofort durch drastischen Methoden zu eliminieren und setzen Chemie ein. Das mag sehr effektiv sein, stört aber das biologische Gleichgewicht im Garten. Außerdem werden auch andere Tiere in Mitleidenschaft gezogen. Alternativen gibt es und einige davon kann man schon beim Anlegen eines Nutzgartens berücksichtigen. Die für mich bisher sinnvollste Alternative ist ein Hochbeet.

Hochbeete als natürliche Schneckenhürde

Schnecken sind in meinem Garten eines der größten Probleme, ganz besonders die Nacktschnecken, die ungelogen fingerlang und –dick sind und sich über Nacht über bestimmte Pflanzen hermachen. Also habe ich ein Hochbeet gebaut und so eine erste Schneckenhürde geschaffen. Das bedeutet natürlich nicht automatisch, dass die Schnecken nicht auch am Holz entlang zum Gemüse kriechen können. Darum sollte das Hochbeet wenn möglich noch mit einem Zinkstreifen ausgestattet sein, über den die Tiere nicht kommen. Den habe ich bisher noch nicht angebracht, das Beet ist aber bis heute auch weitgehend verschont worden.

Wer kein Hochbeet anlegen kann oder will, hat die Möglichkeit Schneckenzäune aufzustellen um die Pflanzen zu schützen. Darüber hinaus versuche ich mich bis dato mit den Schnecken zu arrangieren und lege Pflanzenreste nicht sofort auf den Kompost, sondern erst einmal auf die „Schneckenwege“, um die Tiere von meinem Gemüse fern zu halten. Klappt allerdings bisher eher mittelprächtig: Mein Gemüse in Bodennähe wird trotzdem gnadenlos angeknabbert. Und noch ein Tipp: Man kann Pflanzen im Garten einsetzen, die von Schnecken besonders gern angefressen werden. In der Hoffnung, sie lassen das Gemüse so in Ruhe. Lupinen wären zum Beispiel gute Pflanzen, denn die haben die Schnecken in meinem Garten schon restlos vernichtet. Darum habe ich Lupinensamen getrocknet und werde sie bald wieder aussäen.

Auf dem Hochbeet wächst übrigens alles so schnell, dass ich nach 5 Wochen schon restlos begeistert von dieser Gartenmethode bin. Der Schlüssel zum Erfolg liegt im Aufbau eines solchen Beetes, das ähnlich funktioniert wie ein Komposthaufen.

Hochbeet aufbauen

Gebaut ist das Beet aus heimischem Laubholz. Ich habe einen Bausatz im Internet von einer bayrischen Firma bestellt, das Material für Hochbeete kann man aber natürlich auch selbst kaufen. Innen ist das Beet mit einer festen Folie ausgekleidet, damit das Holz nicht verrottet. Am Boden liegt ein Gitter, das Maulwürfe fernhält. Dann habe ich mehrere Schichten eingefüllt. Zuerst eine dicke Schicht aus trockenen Zweigen, altem Rindenmulch (übrig von der Gartenarbeit), Laub und Rasenschnitt und ein wenig zerkleinerter Pappe, die die Hohlräume zwischen den Ästen ein wenig ausfüllt und verhindert, dass die Erde später nach unten rutscht. Darüber habe ich einige Pflanzen- und Erdreste gefüllt, dann folgte eine Schicht Komposterde und zuletzt Mutterboden. In mein Hochbeet passen insgesamt um die 2qm Erde, darum habe ich mir Erde bei einem örtlichen Kompostwerk bestellt. Sie in Säcken zu kaufen wäre nicht möglich gewesen. Die Pflanzen habe ich weitgehend aus Bioanzucht kaufen können und auch das Saatgut ist bio.

Achtet beim Kauf am besten auf samenfeste Sorten. Die meisten Saatgutsorten sind Kreuzungen (manche sogar genetisch verändert). Deren Samen können nicht zur nächsten Anzucht verwendet werden. Samenfestes Saatgut gibt es z.B. im Bioladen. Biologisch gezogene Setzlinge können zum Start der Pflanzsaison auf speziellen „Pflanzenmärkten“ oder im Internet gekauft werden. Auch in einigen Geschäften gibt es so etwas zu kaufen. Ich habe noch einige Bio-Setzlinge bei Pflanzenkölle gekauft. Dass die aus samenfesten Sorten gezogen wurden bezweifle ich, aber für Pflanzenmärkte, auf denen man auch mit den Erzeugern direkt ins Gespräch kommen kann, war ich in diesem Jahr leider zu spät dran. Da im Hochbeet sehr viel Wärme im Boden gespeichert werden kann ist es möglich, sehr lange, teilweise bis in den November hinein, zu ernten. Die Pflanzen wachsen durch den Aufbau der verschiedenen Schichten und durch die Erde auch gut. Schaut euch mal das Ergebnis nach nur fünf Wochen an:

Hier das Beet kurz nach dem Bepflanzen:

neues hochbeet

Und hier nach fünf Wochen:

hochbeet-nach-5-wochen

Solche Hochbeete eignen sich übrigens auch für Balkone, sie lassen sich ja in den unterschiedlichsten Größen bauen. Eine weitere schöne und vor allem sehr günstige Alternative sind Pflanzsäcke aus Jute. Die gibt es im Baumarkt für ein paar Euro zu kaufen. Sehen super aus und lassen sich ähnlich befüllen wie klassische Hochbeete. Man kann sie aber auch einfach mit einer Mischung aus Pflanz- und Komposterde füllen. Anbauen lassen sich so dann Kartoffeln, Tomaten, Zucchinis, Gurken und natürlich auch Salate und Kräuter. Oder ihr befüllt die Pflanzssäcke einfach mit Blumen. Ich habe hier eine Mischung aus Lavendel und Gartenschafgarbe gewählt:

jutesack

Blattläuse

Gegen Blattläuse hilft vor allem, die Pflanzen regelmäßig zu kontrollieren. Wer viele Ameisen im Garten hat, hat in der Regel nach kurzer Zeit auch Blattläuse. Ameisen lieben deren Nektar und „versklaven“ sie richtiggehend. Das nervt, denn gerade junge Pflanzentriebe leiden, weil die Blattläuse sie förmlich aussaugen. Gegen leichten Befall hilft ein Absammeln und zusätzlich ist es wichtig, ein gutes Klima für nützliche Insekten wie Ohrenkneifer, Florfliegen und Marienkäfer zu schaffen. Alle sind natürliche Fressfeinde der Blattläuse. Für Ohrenkneifer und Florfliegen kann man Unterschlüpfe bauen. Dafür wird ein Tonpflanztopf mit Stroh gefüllt und im Garten, in der Nähe der Blattläuse, aufgehängt. Schaut mal hier gibt es eine Anleitung.

Und dann gibt es ja jetzt überall „Insektenhotels“ zu kaufen. Die sehen ganz süß aus und locken nützliche Insekten an. Wer mag, kann so etwas auch selbst bauen

Weil meine bisherigen Gartenerfahrung aus meiner Kindheit (wir hatten einen Schrebergarten, in dem meine Großeltern wirklich alles angebaut haben, was man sich nur vorstellen kann) kamen und nicht mehr wirklich up to date waren, habe ich vorher ein wenig gelesen. Es gibt einige sehr gute Gartenratgeber zum Biogärtnern, die meiner Meinung nach besten stelle ich euch bald vor.

Im Herbst kann ich euch dann hoffentlich mit Rezepten aus selbstangebautem Gemüse versorgen. Habt ihr auch einen Garten oder Balkon und dort schon erfolgreich Gemüse angebaut? Gibt es noch mehr Tipps, die ich kennen muss?

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