Vegan durch Kopenhagen: Rawfood, Öko-Supermärkte und Loch im Sparstrumpf

Der letzte Teil des Titels zu meinem kleinen Kopenhagen-Reisebericht trifft es ziemlich genau auf den Punkt: Kopenhagen ist teuer. Aber auch wunderschön, freundlich und die Stadt hat scheinbar eine gut funktionierende Rohkost-Szene.

Die ist auf einem so hohen Niveau angekommen, dass man fast gar nicht mehr über die (für deutsche Verhältnisse) viel zu hohen Preise nachdenken möchte. Die und der anhaltende Regen (es hat fast die gesamte Zeit über durchgeregnet) haben mich dann auch davon abgehalten, alle Restaurants, die ich zuvor bei Happycow herausgesucht hatte, zu testen. Einzig das 42 ° RAW  und das Morgenstedet in Christiana konnte ich ausprobieren.

Rawr! Rohkost im Herzen der Stadt

Das Bistro-Café findet man unweit des Strøget (was auf Dänisch „Strich“ heißt). Keine Angst, wir waren nicht im Rotlichtmilieu unterwegs, der  Strøget ist die große Fußgängerzone in Kopenhagen, die durch die wunderschöne Innenstadt führt. Die Hauptstraße beherbergt so ziemlich alle Modelabel, von denen wir Deutschen nur träumen: Topshop, Vila, Monki, Monsoon, Urban Outfitters… alle da. Die Nebenstraßen des „Strichs“ sind dafür immer für kleine Überraschungen gut und so findet man eben nicht nur das 42° Raw in einer dieser Gassen, sondern auch viele andere kleine Geschäfte, Cafés und Designerläden.

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42° Raw Kopenhagen

Was gibt es im 42° RAW?

Da das 42° RAW als erste Location in Kopenhagen überhaupt Rohkost anbot, erwartet man als Gast zunächst einmal einen alternativen Tempel. Dem ist aber überhaupt nicht so: Das kleine Bistro ist skandinavisch-modern (viel Holz, viel Design) gestaltet. Auf der Karte stehen neben Raw Pizza, Sandwich und Hummus auch Smoothies (die eigentlichen Stars dieser Location!), Säfte und Raw Cakes. Wir hatten bei unserem ersten Besuch die 42ºRaw Jordbær tærte (Erdbeertorte nach dänischer Art, ein Traum), einen grünen Smoothie aus Spinat und Minze und einen Smoothie aus Heidelbeere und Basilikum. Bei meinem zweiten Besuch am Folgetag hatte ich nicht so großen Appetit und nahm „nur“ einen Saft aus Äpfeln, Mango, Ingwer, Chili und Minze. Aber auch der hatte es, genau wie die andere Getränke und Süßigkeiten, in sich: Allein der Saft bestand aus fünf ganzen Äpfeln, einem riesigen Mangostück und den anderen Zutaten. Alles wurde entsaftet, fachmännisch gemixt und dann serviert. 

Naked and pure

Das Prinzip des 42° RAW ist es, Nahrungsmittel so natürlich (die nennen das dort ganz treffend „naked and pure“) wie möglich anzubieten. Der Effekt: Man fühlt sich nach dem Essen nicht schwer und voll, sondern vital. Und so ein Smoothie kann schonmal eine ganze Mahlzeit ersetzen. Wenn man das bedenkt, kommt man als Rohköstler für 48 Dänische Kronen (ca. 6,45 €) doch noch ziemlich billig weg.

Der Erdbeerkuchen ist der Hammer!

Billiger sind da nur die Hot Dogs, die überall in den „Polser-Wagen“ angeboten werden. Da ist aber leider nichts für Veganer oder Vegetarier dabei. Eure omnivore Begleitung hingegen kann sich hier für 25 DKK (3,35 €) den Bauch vollschlagen. Wir hatten jedenfalls am Ende unseres Besuches im 42° Raw knapp 200 Dänische Kronen für zwei Smoothies und zwei kleine Erdbeertörtchen auf der Rechnung. Das sind knapp 27 Euro. Ein eindrucksvoller Einblick in dänische Preiskategorien.

Hier die Adresse: 42ºRaw | Pilestræde 32 | 1112 København K | Tel. 32 12 32 10 | info@42raw.com

Das Morgenstedet in Christiania

Von diesem kleinen, gemütlichen Restaurant konnte ich leider keine Fotos machen, denn das Morgenstedet liegt mitten im Freistaat Christiania. Hier findet man neben Marktständen, auf denen Cannabis und Haschisch samt Zubehör zum Verkauf geboten werden, auch noch viele idyllische Plätze unweit der früheren Wallanlagen, die noch weitgehend naturbelassen und nicht – wie sonst in Kopenhagen üblich – befestigt und – für Touristen und Anwohner gleichermaßen – „aufbereitet“ wurden. Die „Morgenstätte“ findet man, wenn man Christiania durch das Haupttor betritt, die Pusher Street entlanggeht und den Hauptweg dabei nicht verlässt. Bei schönem Wetter kann man im Garten sitzen, ansonsten bietet die kleine Hütte innen ca. 20 Sitzplätze. Jeden Tag werden mehrere Salate, eine Suppe und zwei warme Gerichte angeboten. Die Preise findet ihr hier. Da es sich um ein vegetarisches Restaurant handelt, ist für Veganer nicht alles geeignet. Die Bohnensuppe und zwei der angebotenen Salate waren jedoch vegan und auch das hausgemachte Brot ist frei von Tier. Die Gerichte waren lecker, sollen jedoch laut Happy Cow immer variieren, je nachdem, wer am Herd steht. Wir hatten an diesem Tag scheinbar großes Glück. :)

Morgenstedet | Fabriksområdet 134 | 1440 København K | Montags geschlossen | ansonsten 12-21 Uhr

Wie kommt man sonst vegan durch Kopenhagen?

Selbstversorgung ist hier das Zauberwort. Wenn ihr ein schmales Budget habt, versucht so viel wie möglich von Deutschland aus mitzunehmen. Wir haben uns im Stay Copenhagen ein Atelier mit Küche gebucht. Glücklicherweise befand sich in der untersten Etage „Irma„, ein ökologischer Supermarkt.

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Unser Abendessen: Backkartoffeln und Salat aus dem Irma Ökosupermarkt.

Da Dänemark sehr bedacht auf die Reduzierung von CO2 ist und Kopenhagen in nicht allzu ferner Zukunft sogar CO2-neutral werden soll, gibt es Bio-Lebensmittel für fast genau den selben Preis, wie Produkte aus konventioneller Landwirtschaft. Also deckten wir uns am ersten Morgen bei Irma mit etwas Obst und Gemüse, einem fertigen Mischsalat (der nichts mit dem deutschen Ekelzeug in Tüten zu tun hatte), Brötchen, Marmelade, Leinöl, Balsamico, Orangensaft und Salz und Pfeffer ein. Kosten für alles zusammen: knapp 67 Euro. Davon konnten wir uns dann zwei Tage lang ernähren: Abends gab es Backkartoffeln bzw. Pellkartoffeln mit Leinöl, vegane Bratlinge (aus Deutschland mitgebracht) und Salat, morgens Brötchen und zwischendurch Spacebars, Brötchen mit veganem Aufschnitt (auch aus Deutschland mitgebracht). Unterwegs bleiben für den kleinen Hunger eigentlich nur Pommes, darum lasst lieber ein paar Klamotten zu Hause und nutzt das Koffervolumen für Essbares. ;)

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6 Kommentare

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  1. Danke für diesen interessanten Bericht! Ich wollte schon länger mal nach Kopenhagen, schade, dass es so teuer ist… Das Rohkostrestaurant hört sich aber wirklich gut an!

  2. Hallo – nur kurz – Irma ist kein ökologischer Supermarkt, sondern lediglich einer, der Bio Produkte anbietet. Irma ist allerdings der absolut teuerste Supermarkt in Kopenhagen/Dänemark, ¨normale¨ Menschen kaufen bei Netto und Fakta ein, auch da gibt es genauso Bio Produkte. Zudem ist das STAY an sich ja schon mega teuer, auch da gibt es viele Alternativen zu normalen Preisen. Also wenn man so reist, ist es mehr als logisch, dass Kopenhagen teuer ist, wenn man sich informiert, kann man hier nicht nur Geld sparen, sondern auch was Alternatives erleben.

  3. Hallo Isabella,

    danke für dein Feedback. Irma befand sich nun einmal direkt in der Nähe, von daher haben wir dort eingekauft. Das Stay liegt preislich in der Mitte, es gab durchaus teurere Angebote und natürlich auch billigere. Informiert haben wir uns vorher sehr wohl, im Hostel wollten wir aber nicht unbedingt wohnen und es ging bei dieser Reise auch nicht ums „Geldsparen“. Das Ziel war, Kopenhagen kennenzulernen, das ist uns geglückt und wir schauen sehr gern auf diese Reise zurück.:)

  4. Hi Nicole,

    ich werde demnächst 3 Wochen im STAY sein, weshalb ich eben auch nach „vegan in Kopenhagen“ gesucht habe. Ich bin beruflich dort und auch sehr gespannt, wie ich mich als Veganerin durchschlagen werde. Danke für den Tipp, einige vegane Produkte mitzubringen. Zum Glück kann man in den Appartments kochen!
    Würdest du grundsätzlich sagen, dass Kopenhagen „veganerfreundlich“ ist? Also kann man auch mal in einem normalen Restaurant fragen, ob man zB seine Spaghetti mit veganer Sauce haben kann und die verstehen dann, was man will? Das ist ja in zB Südeuropa oft eher schwierig.
    Viele Grüße,
    Elli

  5. Liebe Elli,

    dann schon einmal viel Spaß in Kopenhagen! Zu deiner Frage: Ich glaube die Dänen sind da sehr offen und wenn man freundlich fragt, bekommt man sicher auch eine Alternative angeboten. Allerdings habe ich das selbst nicht ausprobiert, weil wir ja nur kurz dort waren. Es würde mich sehr freuen, wenn du deine Erfahrungen hier nach deinem Aufenthalt mit uns teilst. Da sind dann bestimmt noch einige wertvolle Tipps dabei.

    Ganz liebe Grüße
    Nicole

  6. Liebe Nicole, ich weiss, Deine Kopenhagen-Reise ist schon ne Weile her, aber falls Du wieder mal in Kopenhagen bist, hilft dir vielleicht der folgende Link weiter:
    http://fitness-food-fairytales.com/vegan_in_kopenhagen/
    Und: ein toller Laden, der unseren Reformhäusern ähnlich ist, gibt es im Gammel Kongevej in Frederiksberg, Kopenhagen. http://www.urtehuset.dk/, dort gibt es auch ein süsses, winziges Vegan-Café mit take-Away-Service.
    Liebe Grüsse aus Santa Barbara, CA, Tine